Mit Biogas durch die Dunkelflaute

Mit Biogas durch die Dunkelflaute

Inhalt

Energie von drei Atomkraftwerken
Biogas ist eine Mischung
Woraus Biogas genau besteht
Prinzip ist seit 1776 bekannt
Das Darm-Team im Reaktor
Anschub durch die Ölkrisen
Kritik an Mais greift zu kurz
Neue Pflanzen braucht das Land
Hohe Fixkosten: Anlagentechnik, Logistik und Umwelt
Flexible Container steuern Energieströme nach Bedarf
Wachsende Branche mit Zukunftsarbeitsplätzen
Ausbau des Fernwärme- und Gasnetzes!
Vorteile für die Umwelt
Fazit: Forderungen an die Politik


Nur äußerst selten gelingt es, aus Scheisse Gold zu machen. Zuletzt sagte man Stephan Raab dieses Talent nach [1]. Dabei hat Deutschland hier noch ein erhebliches Potential, denn wie sagte ein Fußballer treffend: „Geschissen wird immer“ [2]. Rein rechnerisch könnten die Fäkalien von 84 Mio. Deutschen mehrere Terawattstunden Biogas pro Jahr zusätzlich liefern und große Mengen synthetischen Düngers ersetzen. Doch die Frage ist nicht: Geht das und will man das? Vielmehr ist grundsätzlich eine Systemumstellung nötig – sobald die menschliche Kacke in die Kanalisation kommt, gilt die Klärschlammverordnung, und die verbietet die Verwertung in Biogasanlagen [3]. Der Einsatz von Reststoffen ist in Deutschland überregelt – anders als z.B. in Dänemark [4]. Der ungewöhnliche Einstieg ins Thema soll beleuchten, dass es noch erhebliches Reststoff-Potential zur Biogas-Erzeugung gibt.

Bioenergie – dazu zählt Energie, die durch Verbrennung oder Gärung biologischen Materials gewonnen wird [5] – ist technisch grundlastfähig, kann aus Abfällen wie Gülle und Mist, altem Speiseöl, abgelaufenen Lebensmitteln, Grünschnitt, Stroh oder Sägespänen generiert werden. Bioenergie stabilisiert das Stromnetz, denn mit Hilfe von Blockheizkraftwerken (BHKW) oder Brennstoffzellenkraftwerken wie von Reverion lässt sich sehr kurzfristig Elektrizität einspeisen, wenn die berüchtigte „Dunkelflaute“ drohen sollte und die Preise steigen. Sie sichert unsere Energie-Unabhängigkeit und stärkt damit die nationale und europäische Souveränität. Bioenergie ist außerdem „Friedensenergie“, denn für Müll muss man keinen Krieg anzetteln – Abfälle gibt’s überall. Nebenbei verschafft sie heimischen Landwirten zusätzliche Einnahmen und spart ihnen Düngerkosten [6].

Biogas ist – als Teil der Bioenergie – außerdem ein wichtiger Faktor in der Kreislaufwirtschaft, wenn bei seiner Produktion alltägliche Abfälle verwertet werden [7]. Ohne Änderungen am Leitungsnetz kann gereinigtes Biogas fossiles Erdgas ergänzen und ersetzen. Die globalen Treibhausgasemissionen könnte man allein bei konsequenter anaerober Vergärung organischer Abfälle um schätzungsweise 18 bis 20 Prozent reduzieren [8]. Deutschlandweit machen es über 150 Landkreise, Gemeinden, Regionalverbünde und Städte vor: Unter Einsatz von Bioenergie kann man sich lokal vollständig unabhängig machen [9].

Energie von drei Atomkraftwerken 

2022 hatte Bioenergie einen Anteil von 8,7 Prozent am Gesamtstrom-Mix, das war deutlich mehr, als die damals noch verbliebenen drei Atomkraftwerke lieferten (6 Prozent) [10]. Selbst wenn man allein Biogas berücksichtigt, so lag dessen Anteil mit 6,5 Prozent deutlich über dem, was die AKW Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 bis dahin beigesteuert hatten. In Deutschland wurden von den 9.000 bis 10.000 Anlagen [11] schon 2021 Biogasmengen mit einem Jahres-Energieäquivalent von 12.753 GWh erzeugt (= 12,75 TWh) [12]. Strom aus Biogas und Biomethan liefern zusammen rund 45 TWh Netto-Energie pro Jahr [13].

Dieser Anteil könnte heute schon deutlich höher sein, würden nicht politische, gesetzliche, finanzielle und technische Umstände die Entwicklung bremsen. Biogas gilt bei Kritikern als problematisch für die Umwelt, teuer und nicht wettbewerbsfähig [14]. Doch das könnte sich in den nächsten Jahren dank innovativer Technik, besserer Infrastruktur und kluger Steuerung ändern. Manche Prognosen sehen eine Steigerung auf 20 bis 30 Prozent am Gesamt-Strommix bei gleichzeitiger Verbesserung des Wirkungsgrades auf über 80 Prozent bis 2050 [15]. Allein die konsequente Vergärung von bisher ungenutztem Stroh brächte weitere 40 bis 60 TWh Biomethan [16]. Außerdem: Ganz erhebliche Emissionen von Methan, das als Klimagas 25-mal problematischer ist als CO2, könnten durch die Vergärung von Bioabfällen vermieden werden [17].

Biogas ist eine Mischung 

Biogas ist zunächst wie „Diesel“ ein „Blend“ (➥ Woraus Biogas besteht, links) [19], eine Mischung verschiedener brennbarer und nicht brennbarer Gase. Wichtigste Verbindung ist das Methan (CH4), das man auch als Faul- oder Sumpfgas kennt [20]. Unter Luftabschluss entsteht es (optimal bei etwa 40 Grad) [21] durch anaerobe Vergärung aus organischem Material. Verantwortlich für die Vergärung sind verschiedene Mikroben, teilweise aus den Anfängen der Evolution des Lebens (➥ Das Darm-Team im Reaktor). Es sind größten­teils dieselben, die auch im mensch­lichen oder tieri­schen Darm leben – nur dass sie im Fermenter in einer Art „Super-Darm“ zusammen­arbeiten. Die anaerobe Vergärung ist also im Grunde eine kon­stante Verdauung im indu­striellen Maßstab [22].

Je höher der Methananteil im Biogas, desto energiereicher und wertvoller ist es. Mit modernster Technik werden heute schädliche und unnütze Anteile aus dem Biogas entfernt. Das reine Methan kann dann komprimiert und in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden. Man nutzt es in Gasmotoren von Blockkraftwerken zur Gewinnung von Elektrizität und/oder erzeugt durch Verbrennen (Fern)wärme.

Mit Biomethan können auch Autos fahren. Mit Erdgas werden z.B. in Berlin 40% der städtischen Fahrzeuge betrieben. Da aus der Biogasanlage in Reinickendorf ins Netz gespeist wird, lässt sich sagen, dass dieser Teil der Fahrzeugflotte bilanziell mit Biomethan (Compressed Natural Gas = CNG) fährt. Der CNG-Club in München setzt sich für den Ausbau des Netzes in Deutschland ein: Derzeit gibt es bundesweit mehr als 650, europaweit über 4.200 CNG-Stationen (Stand: November 2025), „ausgedehnten Reisen mit CNG-Fahrzeugen steht also nichts im Weg“, so der Club optimistisch auf seiner Webseite. Dumm nur, dass es keine neuen PKW-Modelle für CNG mehr gibt [23], es gibt nur noch einige Auslaufmodelle [24]. Eine gewisse Zukunft hat CNG noch im Nutzfahrzeugbereich, denn ein E-LKW kostet momentan noch ca. 180.000 bis 350.000€ (je nach Größe), ein CNG-LKW dagegen nur etwa 110.000€ bis 170.000€ [25].

Biomethan könnte sogar die Grundlage für eine deutsche Düngemittelproduktion sein, angesichts des Iran-Krieges vielleicht auch eine neue Überlegung wert [26]. Nicht nur der Gärrest ist wertvoller Dünger, mit Biomethan könnte man Stickstoff aus der Luft konzentrieren, wie es in den arabischen Staaten am Golf mit billigem Gas und Öl seit Jahrzehnten geschieht.

Aufbau einer Biogas-Anlage

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Vereinfachtes Schema einer Biogas-Anlage.

Prinzip ist seit 1776 bekannt 

Biogas ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts oder der Grünen, sondern seit mehr als 200 Jahren bekannt. Schon 1776 entdeckte der italienische Physiker Alessandro Volta ein brennbares Gas, das im Sediment des Lago di Como entstand [27]. Der französische Bakteriologe Louis Pasteur machte 1884 Versuche mit Biogas, das aus Mist gewonnen wurde. Sein Assistent Émile Gayon hatte die Idee, mit dem Gas Laternen oder Heizungen zu betreiben – doch daraus wurde nichts [28].

Im Ruhrgebiet wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Faultürme gebaut. Sie sollten die Mengen an organischem Klärschlamm verringern, der bei der Abwasserreinigung anfiel – und lieferten nebenbei das erste nutzbare Klärgas [29]. Ab etwa 1922 wurde Klärgas auch in das städtische Gasnetz eingespeist. Einige Klärwerke konnten damit ihre Betriebskosten decken. Bis 1937 hatten die Städte Halle, Pforzheim, Essen, Erfurt, Pössneck, München und Heilbronn ihren Fuhrpark auf dieses Gas umgestellt [30]. Die Müllabfuhr der Stadt Zürich fuhr bis 1973 mit Biogas. Es blieb aber bei Insellösungen, da billige fossile Brennstoffe verfügbar waren und es daher kaum einen wirtschaftlichen Anreiz für Innovationen gab.

Anschub durch die Ölkrisen 

Ein Revival erfuhr die Biogastechnik kurzzeitig während der Ölkrisen 1973 und 1979/80, aber der anschließend erneut gesunkene Ölpreis machte Bioenergie wieder unrentabel [31]. In den achtziger Jahren bauten Pioniere aus der Landwirtschaft und dem Gewerbe in Ost und West Testanlagen zur Vergärung der anfallenden Güllen [32]. Angesichts der Gefahren der Kernenergie (z.B. Tschernobyl 1986) und vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung war die Entwicklung professioneller Anlagen nun aber nicht mehr zu stoppen. Dies wurde politisch massiv beschleunigt: 1996 beschloss die EU die Rahmenrichtlinie zur Strommarkt-Liberalisierung, darin die Vorgabe, jedes Mitgliedsland möge bis 2008 einen Mindestanteil an Strom aus Erneuerbarer Energie erreichen [33]. In Ländern wie Deutschland boten staatlich garantierte Einspeisevergütungen – insbesondere durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – massive finanzielle Anreize für Landwirte und Investoren, was zunächst einen beispiellosen Bauboom auslöste [34].

Es entstanden zwei Haupttypen: die landwirtschaftliche Anlage (die Gülle und Energiepflanzen nutzt) und die industrielle „Waste-to-Energy“-Anlage (die Bioabfälle oder kommunale Abfälle verwertet, wie in Berlin-Ruhleben[35]. Der Boom hatte auch zweifelhafte Folgen: Energiepflanzen wie Mais, Grünroggen, Hirse oder Zuckerrüben wurden zunehmend angebaut, um damit die Biogas-Anlagen „zu füttern“. Dies führte zu Flächenkonkurrenz (gegenüber dem Nahrungsmittelanbau), zu Monokulturen, einem Biodiversitätsverlust und sogar höherer Nitratbelastung [36]. Die Maisanbaufläche stieg von 14,3 Prozent im Jahr 2005 auf 17,1 Prozent im Jahr 2011, 2020 sogar 19,7 Prozent [37]. Mit mehreren EEG-Novellen wollte die Politik dieser Fehlentwicklung durch einen „Maisdeckel“ [38] entgegenwirken, was am Ende aber zu wachsender Bürokratisierung und einer Zentralisierung der Anlagen geführt hat, weil sich kleinere Anlagen nicht mehr lohnten.

Ernte der Energiepflanze Mais

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Maisernte.

Kritik an Mais greift zu kurz 

Die grundsätzliche Kritik am Anbau von „Energiepflanzen“ berücksichtigt nicht, dass Europa – auch dank üppiger Subventionen für die Landwirtschaft – Lebensmittel überproduziert. Deutschland und die europäische Gemeinschaft zählen zu den großen Exporteuren landwirtschaftlicher Produkte, insbesondere von Fleisch und Milchprodukten [39]. Deutschland war 2019 EU‑Spitzenreiter beim Käseexport (1,23 Mio. Tonnen) und gilt als einer der größten Milchexporteure der Welt [40].

Der Export „zu billiger“ (subventionierter) Lebensmittel hat in manchen Ziel-Ländern die Landwirtschaft unattraktiv gemacht. Wenn Länder z.B. in Westafrika von Lebensmittelimporten abhängig werden, so ist dies eine sehr negative Entwicklung [41].

Eine Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen im Inland kann diesem Trend entgegenwirken. Auch in den Schwellenländern könnten Biogasanlagen beim Einsatz passender Energiepflanzen und biologischer Abfälle Bodenerosion vermeiden, die Abhängigkeit von Düngemitteln verringern und der Import von Rohöl ließe sich reduzieren [42]. Gerade in Krisen- und Kriegszeiten wäre dies doch für alle die passende Strategie.

Allein in Deutschland werden jährlich etwa 10,9 Mio. Tonnen an Lebensmitteln vernichtet (links), davon allein 6,3 Mio Tonnen in Privathaushalten. 15,9 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche produzieren also im wahrsten Sinne des Wortes Lebensmittel „für die Tonne“ [43]. Das sind mehr Hektar als die gesamte deutsche Maisanbaufläche von 2005 (14,3 Prozent) umfasste. Aus rund 10,9 Millionen Tonnen deutschen Lebensmittelabfällen ließen sich grob geschätzt etwa 7 TWh Biomethanenergie zusätzlich gewinnen [44]! Es wäre also eine weit sinnvollere Strategie, die dauernde Lebensmittelverschwendung deutlich zu reduzieren und Bioabfälle vollständig zu vergären, als gegen den Anbau von Energiepflanzen zu wettern.

Becherpflanze, Durchwachsene Silphie, Asteraceae, Deutschland, Bayern, Oberfranken, Hof, Botanischer Garten

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Die Durchwachsene Silphie kann eine Mais-Alternative sein.

Neue Pflanzen braucht das Land 

Beim Thema „Futter für Biogasanlagen“ ist man heute weiter: Neue Energiepflanzen werden erfolgreich erprobt, die nicht unter den „Maisdeckel“ fallen, z.B. Ackergras oder die Durchwachsene Silphie. Dies ist eine lange blühende, über zehn Jahre wiederkehrende, anspruchslose Wildblume, die sich gut in die heimische Flora integriert und einen hohen Energieertrag hat. Durch ihre lange und intensive Blüte bietet sie Insekten Lebensraum. Aufgrund tiefer Wurzeln übersteht sie moderate Trockenperioden gut. Mehrere hundert Betriebe nutzen die Silphie bereits als Co‑Substrat für Biogas-Anlagen (8.000 bis 10.000 Hektar Anbaufläche) [45]. Die Wildblume ist ein nordamerikanischer Neophyt, was aber selbst die Naturschutzverbände in diesem Fall nicht kritisch bewerten (➥ Neophyten: Ausreißen, absägen, vergiften[46]. Verschiedene Einrichtungen versuchen sich heute an der Silphie-Zucht mit dem Ziel optimierter Aussaat, weniger Verholzung, höherer Methanausbeute und besserer Trockenheitsresistenz [47]. Erste verbesserte Linien und pelletierte Saatvarianten sind bereits im praktischen Einsatz [48].

Hohe Fixkosten: Anlagentechnik, Logistik und Umwelt 

Vieles spricht für Biogas – aber wirklich preisgünstig und unproblematisch ist es nicht zu haben. Der preisgünstigste Strom kommt von Wind und Sonne. Die Generatoren bzw. Paneele werden einmal installiert und liefern ohne weiteren Aufwand jahrelang Energie. Anders bei Biogas: Das „Futter“ für die Anlagen muss gesammelt, transportiert, gelagert und gereinigt werden. Es muss homogenisiert und hygienisiert werden, was bei Bioabfällen vorgeschrieben ist [49]. Über eine Reihe von Abscheidern müssen Plastik, Metallteilchen, Steinchen, Holzstücke entfernt werden. Dazu dienen Sedimentation, Magnetabscheider, Nassaufbereitung und Zyklonabscheider [50]. Tägliches „Einspeisen“, Wartung der Anlage, Reparaturen, die Entsorgung bzw. Weiternutzung der Gärreste und die Bürokratie (Dokumentation und Genehmigungen) machen Biogas teuer. Damit Biogas die systemischen Anforderungen als „Lückenbüßer“ bei Dunkelflauten spielen kann, wird teure Infrastruktur benötigt: Neben den Fermentern ein Gasspeicher, eine Gasaufbereitung, Blockheizkraftwerke, Strom-, Fernwärme- und Gasleitungsanschluss, ggf. Wärmespeicher, Sicherheits- und Mess- und Steuerungssysteme.

Zur Aufbereitung werden dem Biogas die Kohlendioxid (CO2)-Anteile entnommen. Das CO2 lässt sich weiter nutzen z.B. in der Getränkeherstellung, im Betrieb von Feuerlöschanlagen, in Gewächshäusern, zur Erzeugung nachhaltiger Kunststoffe oder zur Herstellung von Flugzeugtreibstoff [51]. In einigen Pilotanlagen wird das CO2 bereits mithilfe von grünem Wasserstoff (der mittels Elektrolyse von „überschüssigem“ Wind- und Solarstrom erzeugt wurde) in Methan verwandelt und so der Methananteil im Biogas erhöht [52]. Aus Methan lässt sich auch „grauer Wasserstoff“ herstellen [53]. Das Kohlendioxid wird also nicht dauerhaft der Atmosphäre entzogen, aber einer ohnehin stattfindenden Nutzung zugeführt – es bleibt bei einem klimaneutralen „Nullsummenspiel“.

Membrantrennung bei Biogas

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Membrantrennung ist das heute gebräuchlichste Verfahren zur Abtrennung von CO2 aus dem Biogas. In der „Gaswäsche“ (inkl. Kondensatabscheider) werden z.B. Siloxane/VOCs (=organische Siliziumverbindungen), Wasser und Ammoniak entfernt. Eine chemische Wäsche entfernt Schwefelwasserstoff oder Eisenchlorid. Der Aktivkohle-Filter sondert z.B. Eisen ab und nimmt die eigentliche Feinreinigung vor. In den Membranen wird schließlich das Kohlendioxid vom Methan getrennt.

Verschiedene technische Verfahren wie Druckwasserwäsche (DWW), Druckwechseladsorption, Aminwäsche, Membranverfahren oder kryogenes Verfahren entfernen die „Begleitgase“ (➥ Woraus Biogas besteht) aus dem Biogas [54]. In Deutschland ist heute die Membrantrennung das am weitesten verbreitete Verfahren zur Biogasaufbereitung. Sie hat sich aufgrund ihrer Effizienz, Modularität und niedrigen Betriebskosten gegenüber Druckwasseradsorption und Aminwäsche durchgesetzt [55].

Das übrig bleibende Biomethan wird getrocknet (Wasserdampf wird entfernt), „odoriert“ [56] und auf Erdgasqualität verdichtet (u.a. mindestens 96 Prozent CH4-Anteil bei einem Druck von etwa 5–16 bar für das Mitteldrucknetz) bevor es direkt ins Netz eingespeist werden kann. Methan hat einen großen Vorteil: Das Gas ist der einzige erneuerbare Energieträger, der ohne großen technischen Aufwand monatelang speicherbar ist. Das vorhandene Gasnetz muss nirgends angepasst werden, wie es bei einer Umstellung auf Wasserstoff-Wirtschaft nötig wäre.

Verbesserte Technik und entscheidende Innovationen 

Die Anlagen wurden seit 2015 größer, professioneller – aber auch teurer: Beheizung, Rührwerke und fortschrittliche Prozesssteuerungen. Neue, leistungsstarke, zuverlässige Gasmotoren wurden entwickelt. Blockheizkraftwerke (BHKW), wie von Jenbacher und MWM ermöglichen heute mit einer Kombination aus Elektrizitätserzeugung und Wärmenutzung einen Gesamt-Wirkungsgrad von über 90 Prozent [57]. Substratpumpen in den Fermentern sind heute ausreichend robust, um kontinuierlich zu arbeiten und hochviskose Substrate über weite Distanzen zu transportieren [58].

Methanothermobacter thermautotrophicus

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Methanothermobacter thermautotrophicus.

Auch bei der „Impfung“ der Fermenter wurden technische Verbesserungen erzielt. Einzelne am Prozess beteiligte Bakterien (z.B. Methanothermobacter, rechts) sind bei höheren Temperaturen effizienter und wachsen im sogenannten thermophilen Bereich bis ca. 60° so gut, dass in Summe CH4-Gehalte bis zu 85 Prozent theoretisch möglich sind [59]. Erfolge wurden auch bei der Eliminierung von Sauerstoff-Spuren im Fermenter erzielt, welche die anaeroben Bakterien töten. Dank jahrzehntelanger Erfahrungen können die Umweltbedingungen in einer Anlage heute so justiert werden, dass die volle Stoffwechselleistung der Einzeller abgerufen wird. Um die Methanbildner zu fördern, kann sogar gezielt grüner Wasserstoff zugefüttert werden [60], wodurch sich die Biomethanproduktion bei gleicher Substratmenge um weitere 50 bis 70 Prozent steigern lässt.

Verschiedene Universitäten und andere Forschungseinrichtungen befassen sich heute im europäischen Micro4Biogas-Projekt mit den Mikrobiomen. Ziel ist es, maßgeschneiderte, hocheffiziente mikrobielle „Einzeller-Familien“ zu entwickeln, die sich leichter steuern lassen, stabilere Prozesse ermöglichen und mehr Methan produzieren. Führend hierbei sind in Deutschland die Technische Universität Dresden, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) sowie der BioEnergie Verbund e.V. Aber auch in Spanien, den Niederlanden, in den USA und China wird geforscht [61].

Flexible Container steuern Energieströme nach Bedarf 

Die bayrische Firma Reverion hat 2025 eine hochintelligente, modulare Lösung auf den Markt gebracht, die wohl noch Geschichte schreiben wird [62]. Sie ist ein Beispiel für die hohe Innovationsdynamik im Bereich Biogas. Reverion bietet statt Blockheizkraftwerken Plug-and-Play-Container mit Brennstoffzellen an, die je nach Preis und Marktlage entweder Biomethan/Wasserstoff in Strom verwandeln können (gas-to-power) oder umgekehrt mit Strom Methan/Wasserstoff erzeugen (power-to-gas). Innerhalb von einer Minute kann die Anlage vollautomatisch den Modus wechseln – je nach aktuellem Strompreis. Es gibt für Methan derzeit zwei Bausteine M-100/250 (32 Nm3/h nominale Gasleistung oder 250 KW bei Elektrolyse) oder M-500/1250 (163 Nm3/h nominale Gasleistung oder 1250 KW bei Elektrolyse) als Aufrüstungsmodule. Das Gasnetz kann somit als Energie-Zwischenspeicher genutzt und, nur wenn es sich lohnt, daraus Strom erzeugt und eingespeist werden – ideal zur Glättung von Netzschwankungen.

Die Reverion-Module nutzen keine Gasmotoren, sondern Festoxid-Brennstoffzellen (Solid Oxide Fuel Cells, SOFC) mit Wirkungsgraden von bis zu 80 Prozent – Gasmotoren erreichen im Hinblick auf die Strom-Leistung ohne Kraft-Wärme-Kopplung nur etwa 35 Prozent. Der Reverion-Wirkungsgrad ist Weltrekord in der Kraftwerkstechnik [63]. Anders gesagt: Würde man schlagartig alle Biogasanlagen mit Reverion-Containern ausstatten, würde allein aufgrund des höheren Wirkungsgrads der Anteil am Gesamtstrom-Mix rechnerisch von derzeit 6,5 auf 13 Prozent steigen – das Plus entspräche der Leistung drei bis vier Atomkraftwerken [64]. Zugleich würden zehn bis 15 Prozent der CO2-Emissionen der Bundesrepublik Deutschland eingespart, so Roland Jans von Reverion [65]. Um diese Ziele zu erreichen, müsste Reverion seine Kapazitäten aber noch gewaltig ausbauen, denn pro Jahr sollen in einer ersten Serienproduktion ab 2026 nur 50 Container fertiggestellt werden. Wenn sich diese Lösung allgemein durchsetzen würde, wäre dies eine klare Win-Win-Situation sowohl für die Betreiber von Biogasanlagen als auch für die Stabilität der Energienetze – und last not least für die Energiewende.

Den Betreibern von Biogasanlagen wird „fünfmal so viel Ertrag“ versprochen, denn durch den hohen Wirkungsgrad, intelligente Steuerung und Verkauf des verflüssigten CO2 erschließen sich neue Einnahmequellen [66]. Landwirte, die sich für die Container-Lösung entscheiden, sparen sich auch den üblichen „Papierkrieg“, da Reverion diesen übernimmt. Nach „4 bis 6 Jahren“ würden sich die „sechsstelligen“ Kosten für einen Container amortisieren, verspricht Gründer Herrmann [67].

Die Brennstoffzellen arbeiten gut isoliert bei Temperaturen von 600 bis 750 Grad. Im reversiblen Betrieb agieren sie als Elektrolysezellen (Solid Oxide Electrolyzer Cells, SOEC). Die patentierte Technologie ist bisher einzigartig am Markt [68]. Zusätzlich wird auch das Kohlendioxid, das normalerweise bei der Verbrennung im Gasmotor freigesetzt wird, aufgefangen und soll als Carbon Capture and Storage (CCS) unterirdisch eingelagert bzw. an Partnerunternehmen im Verbund H2-Reallabor Burghausen und ChemDelta Bavaria geliefert werden [69], um z.B. nachhaltige Kunststoffe herzustellen. Die Reverion-Lösung ist somit die einzige am Markt mit echt negativen CO2-Emissionen.

Die Gründer lernten sich 2018 in den Laboren der Technischen Universität München (TUM) kennen. Dort entstand ein erster Prototyp, der 2021 in einem Feldtest erprobt wurde. Das Unternehmen wurde schließlich 2022 in Eresing bei München vor dem Hintergrund der Energiekrise gegründet [70]. 2024 erhielt Reverion den Entrepreneurship Award 2024 der TUM – nur einer von mehreren Preisen und Auszeichnungen. Am 05. März 2025 wurde bekannt gegeben: 19,5 Mio. Euro Fördermittel fließen vom Europäischen Innovationsfonds (InnovFund) ins Unternehmen [71].

Schon im September 2024 lagen dem Unternehmen internationale Bestellungen im Wert von 100 Mio $ vor [72]. Reverion hat heute mehr als 100 Mitarbeiter und strebt weltweites Wachstum an. Geplant sind auch 500-Kilowatt-Systeme und perspektivisch sogar Kraftwerke im Megawattbereich.

Wachsende Branche mit Zukunftsarbeitsplätzen 

Im Bereich des Biogas-Anlagenbaus hat sich eine Branche und Zulieferindustrie entwickelt, in der Deutschland international „die Nase vorn hat“ und zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen wurden. 2022 gab es allein im Bereich Biomasse (inkl. Biogas) 117.900 Beschäftigte – das sind rund 30 Prozent aller im Bereich Erneuerbare Energien tätigen Menschen [73].

Sandra Rostek vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE): „Die Bioenergien spielen nicht nur im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor eine wichtige Rolle für das Gelingen der Energiewende; sie sind auch auf dem Arbeitsmarkt von großer Bedeutung“. Ähnlich wie die Windbranche verdoppelte sich von 2019 bis 2024 die Anzahl der Stellenausschreibungen. „Bioenergieanlagen schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region, sie sichern hunderten Land- und Forstwirten sowie klein- und mittelständischen Unternehmen den Betrieb und dem ländlichen Raum eine Zukunft“ [74]. Biogasanlagen könnten den Bedarf an neuen Erdgas- oder Wasserstoffkraftwerken bis 2040 obsolet werden lassen  [75].

Ausbau des Fernwärme- und Gasnetzes! 

Biogas hat schon heute ein Potential von rund 90 TWh [76]. Die tatsächlich genutzte Netto-Energie liegt derzeit aber bei nur 45 TWh, d.h. 45 TWh werden „verschwendet“ oder einfach nicht genutzt. Moderne Gasmotoren haben zwar einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent, allerdings nur dann, wenn die Abwärme ins Fernwärmenetz gespeist wird (Kraft-Wärme-Koppelung). Liegt die Anlage weit außerhalb, wird Wärme nur für den Gärbehälter benötigt oder im Winter zum Heizen des Bauernhofs. Nur in etwa 22 Prozent der Anlagen, die Strom einspeisen, sind gute Voraussetzungen zum Anschluss auch an ein Wärmenetz vorhanden [77]. Ein Teil der erzeugten Energie wird noch für die Logistik und die Gas-Separation verbraucht. Ansonsten wird die Wärmeenergie in den übrigen 78 Prozent der Fälle praktisch ungenutzt als Abwärme an die Umwelt abgegeben.

Die Stromerzeugung aus Biogas hat – allein betrachtet – aktuell nur einen Wirkungsgrad von 35 Prozent. Wenn aber der politische Wille da wäre, könnte ab 2040 die gesamte Fernwärme aus Erdgas oder Wasserstoff durch Wärme aus Biogasanlagen ersetzt werden [78], genauso wie die Stromerzeugung aus Erdgas und LNG [79]. Berücksichtigt man zusätzlich Innovationen wie durch Reverion, könnte Deutschland ab 2040 sogar zum Energie-Exporteur werden.

Große Gaskraftwerke haben oft deutlich bessere Wirkungsgrade, oft 60 Prozent und mehr. Daher sollte dem Anschluss ans Gasnetz der Vorrang gegeben werden – was heute eher selten der Fall ist. Die IZES-Studie beschreibt Möglichkeiten, Anlagen in Clustern zusammenzufassen und wo immer es möglich und rentabel ist, über eine zentrale Aufbereitung ans Gasnetz zu koppeln [80]. Nur wenn die Gas-Erschließung unrentabel ist, sollte vor Ort verstromt werden.

Vorteile für die Umwelt 

Was bei einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung häufig unbeachtet bleibt: Biogas-Anlagen leisten einen erheblichen Beitrag zur Abfallverwertung und zu einer Kreislaufwirtschaft. Dies allein rechtfertigt die durch das EEG garantierten Zuschüsse. Die Fermentierung erzeugt nicht nur Energie und das Kohlendioxid kann aufgefangen und weiterverwendet werden, auch der Gärrest (Digestat) kann als organischer Dünger oder zur Herstellung von Tierstreu, Baumaterial oder Pflanztöpfen dienen [81]. Es geht nicht nur um Energie, sondern auch um Müllverwertung in einer Kreislaufwirtschaft. Die Gärreste werden heute immer weniger als Abfall begriffen, sondern als sinnvolles Zwischenprodukt eines Wertstoffkreislaufs, als Rohstoff.

Verschiedene Unternehmen befassen sich mit der Aufbereitung: TerraVis oder BioFert stellen daraus z.B. Düngerpellets für Acker und Garten her (erhältlich bei Raiffeisen, Landhandel oder das Agravis-Händlernetz). Tierstreu aus Faserresten des Digestats erhält man bei BioStreu. Firmen wie Novis GmbH, NPSP (Niederlande) oder Partner des EU-Projekts Fertimanure nutzen Gärreste für Baustoffe. TerrAktiv oder Reterra verwenden Gärreste zur Herstellung von Düngesubstraten, Pflanztöpfen oder Anzuchterden. In der chemischen Industrie werden aus den Resten zunehmend Struvit (MgNH₄PO₄·+ 6H₂O) und Calciumphosphat (CaP) gewonnen, die wiederum als Rohstoffe für spezielle Dünger oder allgemein in der Chemieindustrie genutzt werden [82]. Einige Firmen gewinnen daraus Kaliumsalze, andere Stickstoff, Ammonium und Ammoniak [83]. Geforscht wird an der Extraktion von Huminsäuren, die in Baustoffen, Bindemitteln und zur Wasseraufbereitung verwendet werden  [84].

In vielen Regionen Deutschlands ist eine Belastung des Grundwassers mit Nitraten ein Problem. Biogas-Anlagen, die tierische Abfälle in anaeroben Fermentern verarbeiten, senken die Methanemissionen in der Landwirtschaft und verringern die Stickstoffbelastung lokaler Böden und Gewässer.

Die Herstellung von Biomethan ist derzeit teurer als der Import der fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas. Der Mehrpreis erscheint aber vor dem Hintergrund des Klimaschutzes, von Krisen und Kriegen und des Beitrags zur Kreislaufwirtschaft (Abfallverwertung, Bodenschutz) gerechtfertigt, insbesondere wenn andere Maßnahmen weitaus teurer oder nicht realisierbar sind. Die Umweltbilanz von Biomethan ist deutlich positiver als die von Erdgas und könnte bei gezielter CO2-Abscheidung noch verbessert werden [85].

Biomethan ist nicht nur klimaneutral, sondern bietet technisch die relativ kostengünstige Möglichkeit zu „negativen Emissionen“. Eine Studie der Agentur für Erneuerbare Energien beziffert die Kosten für die CO2-Abscheidung aus Biomasse auf 60€ bis 119€ je Tonne [86]. Im Vergleich kostet „Direct Air Capturing“ heute noch zwischen 450 und 950€ je Tonne [87]. Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie: „Bereits bestehende Bioenergieanlagen könnten laut einer Vorgängerstudie 13,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr abscheiden, bei weiterem Ausbau sogar bis zu 30 Millionen Tonnen jährlich“. Weiter: „Bioenergie mit CO2-Abscheidung bietet die Chance, erneuerbare Energie zu erzeugen und gleichzeitig CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre zu entfernen. Gerade weil ein großer Teil der Bioenergieanlagen bereits existiert, könnten negative Emissionen vergleichsweise schnell realisiert werden. Damit dieses Potenzial gehoben werden kann, braucht es jetzt eine Anschubfinanzierung für erste Projekte – etwa aus Einnahmen des Emissionshandels bzw. des Klima- und Transformationsfonds.“ [88]. Geld für solche sinnvollen Investitionen müsste eigentlich ausreichend vorhanden sein, würde die Bundesregierung die Gelder aus dem sogenannten Sondervermögen nicht zweckentfremden [89].

Fazit: Forderungen an die Politik 

Biogas hat also zahlreiche Vorteile und wäre besonders volkswirtschaftlich ein Muss. Ein Umdenken würde man gerade im Irankrieg erwarten, wo die Lieferung von Öl, LNG und Düngemitteln kritisch wird. Biogasanlagen könnten hier mit elektrischer Energie, Biomethan und Gärrest als Dünger aushelfen. Doch eine solche strategisch-politische Initiative sucht man in diesen Zeiten vergeblich. Sie müsste sich auf folgende Forderungen für eine verbesserte Biogas-Strategie konzentrieren:

1. Wärmeverluste drastisch reduzieren
Politik muss echte Anreize schaffen: Wärmenutzung muss finanziell belohnt werden, nicht nur die Stromproduktion. Denkbar wäre die Einführung eines Wärmebonus im EEG/KWK-Gesetz für tatsächlich genutzte Wärme. Der Ausbau von Wärmenetzen gerade in ländlichen Räumen und Gewerbegebieten muss gefördert werden. Verpflichtende Wärmenutzung für Kommunen wäre sinnvoll, wenn es dort Biogasanlagen gibt.

2. Biomethan statt LKW‑Kolonnen
Gas hat als Energieträger den Vorteil, es kann dort genutzt werden, wo Wärme gebraucht wird. LKW-Kolonnen mit Dieselöl oder LNG-Gas werden überflüssig, wenn das Gasnetz passender ausgebaut wird. Neue Biogas-Anlagen sollten dann die Biomethan-Einspeisung als Standard vorsehen. Die Aufbereitung und Einspeisung kann für mehrere Anlagen zentral erfolgen (Cluster) oder in dezentralen Aufbereitungsmodulen. Beides sollte gefördert werden. Industrieparks sollen gezielt Biomethan beziehen können – mit reduzierten Netzentgelten. Die heute vorhandenen regulatorischen Hürden für Direktleitungen zwischen Biogasanlagen und Industrie gehören abgeschafft.

Abfackeln von Methan

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Klär- oder Deponiegas wird heute meistens noch ungenutzt abgefackelt.

3. Klärgas als unterschätzte Energiequelle erschließen
Jede Kläranlage mit Faulung muss ein Blockheizkraftwerk oder eine Biomethanaufbereitung betreiben. Wärmenetze in Gewerbegebieten, die Kläranlagen einbinden, müssen gefördert werden. Klärgas-Biomethan soll bei entsprechender Aufbereitung gleichgestellt werden mit landwirtschaftlichem Biomethan. Mobile Blockheizkraftwerke müssen gefördert werden, um auch Deponiegas sinnvoll zu erschließen, statt es abzufackeln. Kommunen sollen verpflichtet werden, Wärmenutzungskonzepte für ihre Kläranlagen zu erstellen.

4. Flexible Fahrweise statt Dauerbetrieb – Biogasanlage als Dunkelflautenkraftwerk
Die EEG-Vergütung muss so angepasst werden, dass eine flexible Fahrweise der Anlagen belohnt wird. Denkbar wäre ein Bonus für Winterbetrieb und „Dunkelflautenstrom“. Gasspeicher an Biogasanlagen sind zu fördern. Die bisherige Vergütungslogik, die Volllaststunden belohnt, ist abzuschaffen. Innovationen wie die Brennstoffzellen-Container der Firma Reverion sind entschieden zu fördern.

5. Standortlogik modernisieren – nicht die Anlage verlagern, sondern das Gas
Biogasanlagen in Industrieparks machen keinen Sinn, wenn Substrate weit transportiert werden müssen. Für solche Vorhaben sollte es keine Förderung mehr geben. Stattdessen sind Gasleitungen, Biomethan-Hubs und regionale Gasnetze auszubauen. Landwirtschaftliche Stoffströme sollen vor Ort bleiben – Energie soll transportiert werden, nicht Gülle.

6. Bürokratie abbauen – Kooperationen erleichtern
Vereinfachte Verträge für Wärmelieferungen zwischen Biogasanlagen und Gewerbe sollten möglich sein. Die Mess- und Abrechnungsregeln für Biomethanlieferungen sind zu vereinheitlichen. Die Doppelbelastung durch Abgaben und Umlagen bei Wärmelieferungen sind abzuschaffen. Eine konsequente und saubere Abtrennung und Nutzung von Biomüll muss verbessert werden. Es sollte versucht werden, auch menschliche Fäkalien zu nutzen.

7. Forschung und Innovation gezielt fördern
Förderung von: Wie kann Hochtemperatur-Wärmenutzung (z. B. Abgaswärme → Prozesswärme) effizienter werden? Die Entwicklung von modularen Aufbereitungsanlagen für Klärgas und Biogas, ggf. auf Brennstoffzellen-Basis, ist zu fördern. Pilotprojekte für Industrieparks mit Biomethanversorgung sollten umgehend gestartet werden. Power-to-Gas-Kopplungen an Biogas- und Kläranlagen sind zu fördern [89]. Landwirt Jürgen Scharmer aus Sternberg/Brühl hat sich mit der Vergärung von Stroh befasst. Solche Projekte, die auf eine effizientere Nutzung vorhandener Reststoffe abzielen, müssen gefördert werden. Neue Verfahren wie Dampf-Vorbehandlung zur Steigerung der Methan-Ausbeute müssen ebenso gefördert werden wie Forschung an und ggf. Züchtung von effizienteren Methan-Mikroben.


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Literatur & Medien

(ASUE) Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V.: Biogas / Biomethan – erneuerbare Energie aus der Leitung. Informationen zu einer sauberen und nachhaltigen Energieversorgung. Stand: März 2018.

(GH) Uwe Görisch, Markus Helm (Hrsg.): Biogasanlagen. 3. Auflage. ISBN: 978-3-8001-7885-8.

(GR) Dr. Gerd Reinhold, Jena: Biogas im Wandel der Zeit und wie kann es weitergehen? Folien für einen Vortrag auf der 20. Sächsischen Biogastagung Nossen, 24. Oktober 2024.

(IZES) Institut für Zukunftsenergie und Stoffstromsysteme (Hrsg.): Zukunftsaussichten der Biogasbranche. Studie für den Fachverband Biogas (FvB). Autoren: Patrick Matschoss, Joachim Pertagnol, Uwe Klann, Yue Zheng, Florian Noll,
Katja Weiler, Bernhard Wern. September 2025.

(MV) Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern: Abschlussbericht. Durchwachsene Silphie als Kosubstrat für Biogasanlagen. Gülzow 2024.


Fußnoten

[1]  Raab belegte im Jahr 2000 beim Eurovision Song Contest (ESC) mit dem sinnfreien Lied „Wadde hadde dudde da?“ den fünften Platz. Der Nonsense-Song „Maschendrahtzaun“ belegte 1999 sogar sechs Wochen lang Platz 1 der deutschen Charts und verkaufte sich rund eine Million Mal – wikipedia.org: Stefan Raab, wikipedia.org: Maschen-Draht-Zaun

[2]  11freunde.de: „Geschissen wird immer“, vgl. auch taz.de: Die Wahrheit – Geschissen wird immer

[3]  Anhänger der Permakultur würden diesen Ansatz sicher begrüßen. Vgl. auch blog.anaerobic-digestion.com: https://blog.anaerobic-digestion.com/bio-toilet/, weltweit: susana.org: Worldwide list of documented ecosan projects by various organisations, mdpi.com: Biogas Micro-Production from Human Organic Waste—A Research Proposal

[4]  Dänemark reguliert Biogas nach dem Prinzip „Was ökologisch sinnvoll ist, ist erlaubt“. Deutschland reguliert nach dem Prinzip „Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten“. Vgl. Danish Ministry of Climate, Energy and Utilities – Biogas in Denmark (Regierungsbroschüre), Aarhus University, Department of Agroecology – Biogas in Denmark: Status and Perspectives (2020), European Biogas Association (EBA) – Country Report Denmark (jährlich), UBA – Rechtliche Rahmenbedingungen der Biogaserzeugung in Deutschland (2019), DBFZ – Reststoffnutzung in Biogasanlagen: Hemmnisse und Potenziale (2021), Fachverband Biogas – Positionspapier Substratflexibilität (mehrere Ausgaben), BiogasAction – National Framework Reports (2017), IEA Bioenergy Task 37 – Country Reports (jährlich). 

[5]  Unter dem Begriff „Bioenergie“ werden alle Energieträger (Strom, Gas) zusammengefasst, die mit biologischem Grundmaterial erzeugt werden wie Gülle, Maische, Grünabfällen – aber auch Holz, Holzreste, Pellets, Klärgas, Deponiegas oder Müllverbrennung (biogener Anteil) sowie Pflanzenöl, Bioethanol und Biodiesel (Kraft-Wärme-Kopplung) – wikipedia.org: Bioenergie

[6] n-tv.de: Mit Gülle durch die Dunkelflaute – ‚Biogas leistet dasselbe wie Gaskraftwerke – 50 Milliarden Euro günstiger‘, (ASUE), S. 16: „Die Erzeugung von Biogas/-methan liefert kalkulierbare finanzielle Erträge, die durch langfristige Einspeisevergütungen abgesichert sind. Die werthaltige Entsorgung von tierischen Reststoffen wie Gülle oder Mist sowie Abfällen aus der Nahrungsmittelverarbeitung schafft zusammen mit den Energiepflanzen einen kontinuierlichen Arbeitsanfall. Die Nutzung der Gärreste als hochwertiger Dünger, der anschließend auf die Äcker ausgebracht wird, spart künstlichen Mineraldünger“. 

[7]  wangen.com: Biogas und sein Potenzial zur Beschleunigung der globalen Energiewende

[8]  ipcc.ch: Sixth Assessment Report, unep.org: Global Methane Assessment: Benefits and Costs of Mitigating Methane Emissions, unendlich-viel-energie.de: Studie: CO2-Abscheidung aus Biomasse kann erheblichen Beitrag zur Klimaneutralität leisten

[9]  Beispiel ist die Gemeinde Hemmingen (stuttgarter-zeitung.de: Geschichten des Jahres – Warum Hemmingen beispielhaft ist, diercke.de: Deutschland – Energieautarke Regionen – Nachhaltige Entwicklungspfade, trendsearch.de: Energieautarke Kommunen und „Bioenergiedörfer“ – 100 % Strom durch Eigenversorgung

[10]  fnr.de: Basisdaten Bioenergie Deutschland 2024, S. 11. 

[11]  polarstern-energie.de: Biogas einfach erklärt: Was es ist – und seine Bedeutung für die Energiewende, n-tv.de: Mit Gülle durch die Dunkelflaute – ‚Biogas leistet dasselbe wie Gaskraftwerke – 50 Milliarden Euro günstiger‘

[12]  wangen.com: Biogas und sein Potenzial zur Beschleunigung der globalen Energiewende

[13]  destatis.de: Energieerzeugung. (IZES) nennt 83,85 TWh als „Potential“, also Brutto-Energie (S. 32) – vor Abzug der Verluste durch nicht nutzbare Abwärme, Teillast, Stillstände, Aufbereitungsverluste bei Biomethan. BHKW haben einen elektrischen Anlagen-Wirkungsgrad von ca. 35% plus thermischer Nutzung von 45%. 22 TWh gehen hauptsächlich als ungenutzte Abwärme verloren, weil Wärme im Sommer nicht benötigt wird oder kein Fernwärmenetz zur Einspeisung vorhanden ist. Insgesamt sieht IZES hier noch „ein erhebliches Potential“, um die Energiewende voranzutreiben – S. 32. „Das heißt, es könnten relevante Anteile deutscher LNG- oder Erdgasbedarfe ersetzt werden.“ – S. 51. 

[14]  n-tv.de: Teuer, knapp und ineffizient – Woher soll das „Grüngas“ kommen. Kritiker wollen in der Biogas-Produktion sogar ein „Auslaufmodell“ sehen – de.scientists4future.org: Dr. Michael Huber: Dossier – Biogas in der Energiewende

[15]  Die prognostizierte Wachstumsrate für 2023–2028 schätzen einige Fachleute auf 32 Prozent – wangen.com: Biogas und sein Potenzial zur Beschleunigung der globalen Energiewende, vgl. auch (IZES), S. 11 ff. Nach (IZES), S. 31 wird derzeit nur etwa ein Drittel des verfügbaren „biogenen Materials“ für die Biogasproduktion genutzt. Das bedeutet, potentiell wäre eine Steigerung von 6,5% auf knapp 20% am Energiemix allein durch Nutzung allen Bioabfalls möglich. (IZES) führt weiter aus, dass im Jahr 2030 knapp 23 % und 2035 gut 55 % des Erdgases in der Stromerzeugung durch Biomethan ersetzt werden könnten – S. 47. Ab 2040 könnte das Erdgas komplett ersetzt werden. 

[16]  energetische-biomassenutzung.de: Projektdatenbank. Berechnung durch Microsoft Copilot, 2026. Antwort auf eine Nutzeranfrage vom 24.03.2026. Generiert durch KI. 

[17]  wikipedia.org: Treibhausgas. Je nach Ausbaugrad könnten pro Jahr 2 bis 13 Megatonnen CO2 vermieden werden – etwa so viel, wie das verarbeitende Gewerbe freisetzt – (IZES), S. 54. 

[18]  wikipedia.org: Biogas

[19]  Vgl. ➥ Hat der Diesel doch noch eine Zukunft? 

[20]  Methan selbst ist farb- und geruchlos. Es ist so neutral wie reiner Stickstoff. Der Faulgas-Gestank entsteht durch Begleitgase wie Schwefelwasserstoff (H2S) und Ammoniak. Schon kleinste Mengen H2S (0,0001 %) reichen aus, um den charakteristischen Geruch nach „faulen Eier“ zu erzeugen. Mercaptane (z.B. Methanthiol) ist extrem stinkend, schon im ppb-Bereich (ppb = parts per million). Organische Säuren (Buttersäure, Propionsäure) riechen „ranzig“ und „säuerlich“ – Microsoft Copilot, 2026. Antwort auf eine Nutzeranfrage vom 27.03.26. 

[21]  asue.de: Biogas und Biomethan – Heimische, nachhaltige und speicherbare Energie

[22]  Vgl. wikago.ch: Vergleich mit einer Kuh

[23]  cng-club.de: Das Marktangebot bei CNG-Fahrzeugen (Lager-, Vorführ- und Gebrauchtwagen PKW)

[24]  cng-club.de: Umgeparkt: Diese CNG-Fahrzeuge werden in Deutschland nicht mehr neu produziert.

[25]  Fachleute rechnen allerdings damit, dass sich ab ca. 2030 E-LKW eher lohnen, da sie geringere Betriebs- und Wartungskosten als CNG-LKW haben – theicct.org: A total cost of ownership comparison of truck decarbonization pathways in Europe

[26]  Um Deutschlands Bedarf an Stickstoffdünger (Ammoniak) vollständig zu decken, bräuchte man grob gerechnet 10 TWh Biomethan pro Jahr, also etwa 1 Milliarde Kubikmeter – Angaben nach Microsoft Copilot, KI‑gestützte Analyse, persönliche Kommunikation vom [23.3.2026]. Das wäre also nur ein Bruchteil der tatsächlichen, und ein noch viel geringerer Teil der möglichen Biogas-Produktion. 

[27]  wikipedia.org: Biogasanlage

[28]  „Wir können die Verwendung dieses Gases zur Beleuchtung oder Heizung in Betracht ziehen, wenn ausreichende Mengen an fermentierbaren Materialien verfügbar sind.“ – Émile Gayon (1884): „Recherches sur la fermentation des fumiers“. In: Annales de l’Institut Pasteur, Band 1 (1887), S. 75. (Die Arbeit wurde 1884 durchgeführt, aber erst 1887 im ersten Jahrgang der Annales veröffentlicht). 

[29]  Mikroorganismen bauen einen großen Teil der organischen Substanz ab. Es entsteht Biogas (Methan und Kohlendioxid), übrig bleibt der Gärrest mit einem um 30 bis 50 Prozent verringerten Volumen. Vgl. ib-schreff.de: Überlegungen zum wirtschaftlichen Einsatz der anaeroben Schlammstabilisierung in Kläranlagen

[30]  lfu.bayern.de: Biogashandbuch Bayern – Materialienband – Kap. 1.1 – 1.5, Stand Juli 2007. In anderen Städten betrieb man kommunale Fahrzeuge mit Stadtgas oder Holzgas, darunter in Berlin. 

[31]  wikipedia.org: Biogasanlage

[32]  landwirtschaft.sachsen.de: Biogas im Wandel der Zeit
und wie kann es weitergehen?
 

[33]  kompost-biogas.info: Geschichtliche Entwicklung

[34]  energiewende.bundeswirtschaftsministerium.de: 15 Jahre EEG: Die Erfolgsstory geht weiter 

[35]  powerup.at: Die Geschichte und Entwicklung von Biogasanlagen

[36]  Insbesondere Mais benötigt viel Dünger. Überschüssiger Stickstoff bleibt im Boden oder gelangt ins Grundwasser. Maisanbauflächen bleiben lange kahl, Regen kann das Nitrat dann leichter auswaschen. Biogasanlagen erzeugen große Mengen Gärreste, die eigentlich wertvolle organische Dünger bzw. Rohstoff sind. Aber sie enthalten viel ammoniumhaltigen Stickstoff, der leicht in Nitrat umgewandelt wird. Gärreste fallen kontiniuierlich an, Pflanzen brauchen den Stickstoff aber nur in bestimmten Wachstumsperioden. Daher besteht die Gefahr, dass der Boden „nitrifiziert“ wird und das Nitrat ausgewaschen wird. In letzter Zeit wird der Gärrest aber zunehmend auch als Rohstoff verstanden und findet Verwendung in der chemischen Industrie, Baustoffindustrie, im Landhandel (Tierstreu, Pellets). 

[37]  (MV), S. 5. 

[38]  EEG-Novelle 2017: der Anteil von Silomais, Corn-Cob-Mix (CCM), Lieschkolbenschrot (LKS) und Getreidekorn darf zusammen maximal 60% betragen. Nach einer weiteren Novelle des EEG darf der Mais-Anteil in der Gärmasse ab 2026 nur noch 30 Prozent betragen. Andernfalls entfällt die Vergütung nach dem EEG – (MV), S. 6. 

[39]  (ASUE), S. 11. 

[40]  milchindustrie.de: Milkipedia – Außenhandel

[41]   landwirtschaft.de: Wie wirken sich Agrarexporte in Entwicklungsländer aus? und euraktiv.de: Die Entwicklungsländer und die Kollateralschäden der EU-Agrarpolitik

[42]  (ASUE), S. 18. 

[43]  bmleh.de: Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktuelle Zahlen nach Sektoren, Gründe sind: Fehlende Planung beim Einkauf, Missverständnisse beim Mindesthaltbarkeitsdatum, Falsche Lagerung, Überportionierung, Geringe Wertschätzung für Lebensmittel. Zur Produktion dieser weggeworfenen Lebensmittel werden 2,6 Mio Hektar Agrarfläche benötigt. Berechnung: 2,6 Mio ha/16,6 Mio ha * 100 = ca. 15,7 Prozent – 16,6 Mio ha – Stand von 2023. 

[44]  Aus den in Deutschland jährlich anfallenden rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen ließen sich grob geschätzt insgesamt etwa 14 TWh Biomethanenergie gewinnen – Berechnungen durch Microsoft Copilot, (2026), Antwort auf eine Nutzeranfrage vom 28.03.2026. Nach Angaben des Bundesumweltamts landen etwa 55 Prozent der gesammelten Bioabfälle bereits in Vergärungsanlagen – umweltbundesamt.de: Bioabfälle

[45]  182tage.info: ABSCHLUSSBERICHT: Durchwachsene Silphie als Kosubstrat für Biogasanlagen Gülzow 2024, llh.hessen.de: Durchwachsene Silphie – Erfahrungen aus dem mehrjährigen Anbau. Im Vergleich zu Mais hat die Silphie geringeren Bewirtschaftungsaufwand, bietet verbesserte Erosionsschutzmaßnahmen, erhöhte Biodiversität, reduzierte Lachgasemissionen und bietet niedrigere Nitrat-Gehalte im Boden. Allerdings ist sie wirtschaftlich weniger rentabel als Mais – (MV), S. 22. Während die LFA Mecklenburg‑Vorpommern die Silphie aufgrund niedriger Erträge und hoher Niederschlagsabhängigkeit also kritisch bewertet, zeigen mehrere andere Studien – u. a. der Universität Bayreuth, des Julius Kühn‑Instituts, des TFZ Straubing und des LLH Hessen – ein deutlich positiveres Bild: höhere Erträge ab dem zweiten Jahr, bessere Trockenheitsresistenz, stabile Methanerträge und klare ökologische Vorteile gegenüber Mais – vgl. landwirt-media.com: Silphie als trockenheitsresistente Biogasalternative und (ASUE), S. 17. 

[46]  wikipedia.org: Durchwachsene Silphie

[47]  Z.B. die Donau-Silphie GmbH, das Technologie- und Förderzentrum Bayern, die Universität Bayreuth und Europäische Züchtungsnetzwerke in Tschechien, Polen und Ungarn. 

[48]  Vgl. LAND & Forst, Ausgabe 10/2021: Silphie: Neue Saattechnik erleichtert den Anbau. 

[49]  Der Input muss gleichmäßig zerkleinert werden, damit er gut mischbar ist. Das Gemisch muss pump- und rührfähig sein, sonst verstopfen Leitungen und Fermenter. In der Regel werden die Abfälle zunächst durch einen Zerkleinerer oder Shredder geschoben, eine feine Masse entsteht. Siebe und Schneckenpressen trennen Störstoffe ab. Rührwerke verteilen die Masse gleichmäßig. Pumpen befördern die grobflüssige Masse durch die Gärstationen. Im Hygienisierungsbehälter wird der Substratbrei für 60 Minuten auf 70 Grad erhitzt, um Salmonellen, Listerien, Escherischia coli, Parasiten und Viren zu töten. Hitzeresistente Sporen – etwa von Clostridien – überstehen die Hygienisierung. Sie stellen jedoch kein Risiko dar, weil sie im Fermenter nicht wachsen können und im Gärrest biologisch inaktiv bleiben. Wird der Gärrest auf die Felder ausgebracht, werden die Sporen durch UV-Licht, Sauerstoff, Trockenheit und Temperaturwechsel auf natürliche Weise reduziert – link.springer.com: Non-human Clostridioides difficile Reservoirs and Sources: Animals, Food, Environment, enviromicro-journals.onlinelibrary.wiley.com: Agricultural fertilization with poultry manure results in persistent environmental contamination with the pathogen Clostridioides difficile, mdpi.com: Clostridioides difficile from Fecally Contaminated Environmental Sources: Resistance and Genetic Relatedness from a Molecular Epidemiological Perspective. Reduziert heißt nicht „vollständig vernichtet“. Bei Kontakt mit Gärresten sollte man also gut auf Hygiene achten (z.B. Hände waschen, Kleidung waschen). 

[50]  Mikroplastik kleiner als 5 mm lässt sich nicht entfernen und gelangt mit den Gärresten wieder aufs Feld. Hier helfen nur saubere Mülltrennung durch den Verbraucher und allgemein Plastikvermeidung – link.springer.com: Bewertung von Gärresten als Input für die Kompostierung: Untersuchung von Nähr‑, Ballast- und Schadstoffen – Assessment of digestates as input for composting: investigations of nutrients, inpurities und pollutants. 

[51]  asue.de: Biogas und Biomethan – Heimische, nachhaltige und speicherbare Energie. (IZES), S. 72f. 

[52]  europeanbiogas.eu: First assessment of European e-methane roll-out released today. Pilotanlagen mit biologischer Methanisierung – ieabioenergy.com: Biological Methanation Demonstration Plant in Allendorf, Germany; Mainz – Power‑to‑Gas Pilotanlage – pfi-bioraffinerietechnik.de: Successful Pilot-Scale Biological Methanation Imminent Breakthrough for Power-to-Gas Technology

[53]  Mittels Dampfreformierung werden aus 1 kg Methan und Wasser 250 g Wasserstoff:
1. CH4 + H2O → CO +3 H2
2. CO + H2O → CO2 + H2
Dazu wird heißer Wasserdampf mit dem Gas (zum Beispiel Biomethan) vermischt und unter ständiger Energiezufuhr an einem heterogenen Katalysator in der Gasphase vorbeigeführt. 

[54]  asue.de: Biogas und Biomethan – Heimische, nachhaltige und speicherbare Energie

[55]  Vgl. dazu biogas.pentair.com: Membran-Technologie, weltec-biopower.de: Biogasaufbereitung mit Membrantechnologie und CO2-Verflüssigung, brigth-renewables.com: Biogasaufbereitung mit Membranen. Die Membrantrennung hat sich laut führenden Herstellern gegenüber Wasserwäsche, Aminwäsche und PSA durchgesetzt und dominiert den Markt für Neuanlagen. Eine offizielle Marktanteilsstatistik für Deutschland ist aber nicht verfügbar. 

[56]  asue.de: Biogas und Biomethan – Grünes Gas in unseren Netzen – Zusatzstoffe wie Tetrahydrothiophen (THT) oder Mercaptane (Thiole) sorgen – aus Sicherheitsgründen – für den typischen Gasgeruch. 

[57]  jenbacher.com: Kraft-Wärme-Kopplung / KWK

[58]  Wangen Pumps, ein deutscher Pumpenhersteller und Teil der schwedischen Atlas Copco Group, verfügt nach eigenen Angaben über umfassende Erfahrung in der Entwicklung und Installation von Pumpenlösungen für die weltweite Biogasindustrie – wangen.com: Pumpen für Biogas und anaerobe Gärprozesse

[59]  asue.de: Biogas und Biomethan – Heimische, nachhaltige und speicherbare Energie

[60]  In der anaeroben Prozesskette der Methanogenese sind die methanogenen Archaeen für die finale Bildung von Methan aus Wasserstoff und CO2 verantwortlich. Das „Zufüttern“ von Wasserstoff reduziert den CO2-Anteil im Biogas – asue.de: Biogas und Biomethan – Heimische, nachhaltige und speicherbare Energie

[61]  TU Dresden: Mikrobiom-Analytik, anaerobe Konsortien. BTU Cottbus: Prozessbiologie, syntrophe Systeme. Leibniz‑Institut DSMZ: Kultivierung anaerober Spezialisten. KIT / UFZ Leipzig: Biogasprozessoptimierung, Metagenomik. Lawrence Berkeley National Lab (USA): synthetische Mikrobiome. Wageningen University (NL): anaerobe Fermentation. Qinghua University (China): Hochleistungs-Konsortien für Biogas. 

[62]  182tage.info: Das Kraftwerk der Zukunft

[63]  Den bisherigen Rekord von 64,18% vom 21. Mai 2024 hielt das britische Kombikraftwerk Keadby Unit 2 – chemie.de: Reverion-Kraftwerk erreicht Effizienz-Weltrekord, zdfheute.de: Energieumwandlung nach Bedarf – Startup entwickelt Alleskönner-Kraftwerk

[64]  Stephan Herrmann, Chef und Mitbegründer von Reverion, behauptet, es würden auf diese Weise die von Wirtschaftsministerin Reiche geplanten 20 Gigawatt-Reservekraftwerke ersetzbar – 182tage.info: Das Kraftwerk der Zukunft

[65]  chip.de: Deutsche Stadt setzt auf einen weltweit einzigartigen „Dunkelflauten-Killer“

[66]  zdfheute.de: Energieumwandlung nach Bedarf – Startup entwickelt Alleskönner-Kraftwerk

[67]  Daten zu Amortisationszeiten der Kraftwerke hat das Unternehmen anhand historischer Stromdaten aus den vergangenen drei Jahren validiert – 182tage.info: „Wir bauen das fehlende Puzzlestück für die Energiewende“

[68]  reverion.com: Unsere Technologie

[69]  reverion.com: Reverion und Frontier entwickeln neuen Weg zur Kohlenstoffentfernung aus Biogas

[70]  deutscher-gruenderpreis.de: Reverion – Kategorie 2025 StartUp – Vorwärts Strom, rückwärts Gas – und grüner denn je, gruenderland.bayern: Reverion: Der Schlüssel zu nachhaltiger Biogasverwertung, remotely.de: Reverion: Der Schlüssel zu nachhaltiger Biogasverwertung

[71]  182tage.info: „Wir bauen das fehlende Puzzlestück für die Energiewende“

[72]  unternehmertum.de: Reverion erhält 62 Millionen USD zur Serienfertigung seiner revolutionären Kraftwerke

[73]  Vgl. Presseerklärung der Bertelsmann-Stiftung gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) vom 6. März 2025 – biogas.org: Jobmotor Bioenergie – Zahl der Stellenausschreibungen in der Bioenergiebranche steigt weiter

[74]  Ebda. 

[75]  n-tv.de: Mit Gülle durch die Dunkelflaute – „Biogas leistet dasselbe wie Gaskraftwerke – 50 Milliarden Euro günstiger“ und (IZES), S. 47. Vgl. auch FN 15

[76]  (IZES) plus Vermeidung von Bioabfall-Verschwendung, siehe FN 44

[77]  (IZES), S. 57. 

[78]  (IZES), S. 59. 

[79]  (IZES), S. 64. 

[80]  (IZES), S. 39 ff. 

[81]  wangen.com: Biogas und sein Potenzial zur Beschleunigung der globalen Energiewende

[82]  Ostara Nutrient Recovery Technologies, Veolia / PhosForce, Nutrient Recovery Systems (NRS). 

[83]  Z.B. SKW Piesteritz, EnviroChemie / EnviroFALK. 

[84]  Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik, Wageningen University & Research, EU‑Projekt FERTIMANURE. 

[85]  (ASUE), S. 4. 

[86]  unendlich-viel-energie.de: Studie: CO2-Abscheidung aus Biomasse kann erheblichen Beitrag zur Klimaneutralität leisten

[87]  Firmen: climeworks, mission zero, heirloom. 

[88]  unendlich-viel-energie.de: Studie: CO2-Abscheidung aus Biomasse kann erheblichen Beitrag zur Klimaneutralität leisten

[89]   n-tv.de: „Stopfen von Haushaltslöchern“ – Sondervermögen im ersten Jahr fast komplett zweckentfremdet, spiegel.de: Vorwurf der Zweckentfremdung – Weitere Kritik am Sondervermögen – Finanzministerium weist Vorwürfe zurück,. 

[90]  Biogas- und Klärgasanlagen mit Elektrolyse und Methanisierung verbinden (z.B. Reverion), um CO2 nutzen, Wärme verwerten, Gasnetze füllen und so Dunkelflauten absichern. 


Beitragsbild: Pixabay, 29.01.2026.

BD.1   FNR, UBA/AGEE-Stat. Darstellung: Mirke, 26.02.2026.  

BD.2   Microsoft Copilot, 2026. Antwort auf eine Nutzeranfrage vom 30.03.26, generiert durch KI. Bearb. von Mirke, 30.03.2026.  

BD.3   Pixabay, 26.02.2026. Bearb. von Mirke, 30.03.2026.  

BD.4   Microsoft Copilot, 2026. Antwort auf eine Nutzeranfrage vom 28.03.26, generiert durch KI. Bearb. von Mirke, 28.03.2026.  

BD.5   Udo Schmidt from Deutschland via Wikimedia Commons, CC BY 2.0, 26.02.2026.  

BD.6   Microsoft Copilot, 2026. Antwort auf eine Nutzeranfrage vom 29.03.26, generiert durch KI. Bearb. von Mirke, 29.03.2026..  

BD.7   Andreas Klingl via Wikimedia Commons, CC BY 4.0, 30.03.2026.  

BD.8   Reverion, Press-Kit, 30.03.2026.  

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