Artemis: Wieder mal zum Mond

Artemis: Wieder mal zum Mond

Mond, 6. April 2026. Nach 54 Jahren umkreisten diese Woche wieder US-amerikanische Astronauten den Erdmond. Wenn es nach dem deutschen SS-Offizier und Raketenpionier Wernher von Braun gegangen wäre, dann wäre die Menschheit schon Ende der 1970er Jahre zum Mars aufgebrochen – aber daraus wurde bekanntlich nichts. Die letzte Mondmission war Apollo 17, als Eugene Cernan und Harrison Jack Schmitt stundenlang gut gelaunt mit dem elektrischen Mondrover durch die Kraterlandschaft düsten.

Mit dem Auto über den Mond - das waren noch Sensationen

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Apollo 17 (1972): Unterwegs mit dem Mondrover

Earthrise 1968

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Apollo 8 (1968): Erdaufgang vom Mond aus gesehen

Sie legten insgesamt 35,7 km zurück und sammelten die Rekordmenge von 110,5 Kilogramm Mondgestein. Sie erklommen mehrere Krater und das Taurusgebirge. Sie hielten sich insgesamt drei Tage und drei Stunden auf dem Erdtrabanten auf – auch das war ein Rekord. Die Untersuchung des Gesteins brachte immerhin die Erkenntnis, dass der Mond einst Teil der größeren Erde war, bis ihn der Aufprall eines Planeten abgesprengt hat.

Hinsichtlich des Sensationsgrades hat Artemis 2 weniger zu bieten als Apollo 8. Das war 1968 die erste bemannte Mondumrundung (ohne Landung), es gab erstmals den berühmten „Erdaufgang“ (Logo von 182tage.info), an Weihnachten Lesungen aus der Bibel, den ersten direkten Blick von Menschen auf die Mondrückseite und die Funkstille hinter dem Mond.

Aber es gibt 2026 auch einiges Neues: Artemis 2 [1] mit dem Raumschiff Orion hat eine erste „Frau im Mond“ zu bieten, einen POC (People of Color) und einen Kanadier. Vermutlich hätte Trump lieber einen weiteren US-Amerikaner dabei gehabt oder wenigstens einen Russen. Als sie erfolgreich um den Mond geschwebt waren, rief der Präsident an und erklärte, das die Crew ganz Amerika unglaublich stolz gemacht habe und dass es demnächst zum Mars gehen werde. Dem Kanadier erklärte er gleich noch, dass auch die Kanadier mächtig stolz auf ihn seien. Dann war Pause, in der die Astronauten mit dem Mikro Kunststücke in der Schwerelosigkeit vorführten – vielleicht fiel dem Mann, der seine Zeit damit verbringt, die internationale Zusammenarbeit zu zerstören, auch nichts mehr ein oder es war ein technischer Defekt [2]. Gerüchten in den Sozialen Medien zufolge ging die peinliche Pause auf einen stillen Protest der Astronauten gegen den Milliardär im Weißen Haus zurück – das war aber eher nicht der Fall, wenn man sich das Transkript durchliest und den Beteuerungen der NASA glaubt.

Das Raumschiff hat soviel Platz wie keines zuvor. Jedem Besatzungsmitglied stehen üppige 2,23 Kubikmeter zur Verfügung, bei Apollo waren es nur gut zwei Kubikmeter [3]. Das ist etwa soviel wie eine Luxus-Duschkabine (100cm * 100 cm). Von der Geräumigkeit der deutschen Fernsehserie Raumpatrouille – die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion ist man sehr weit entfernt [4]. Übrigens soll die NASA ihr Artemis-Orion nicht nach der deutschen Science-Fiction-Serie aus den 1960er Jahren benannt haben, sondern ausschließlich nach dem mythologischen Jäger. Was glaubhaft ist, denn in den USA lief seit September 1966 schon Star Trek – in Farbe und mit mäßigem Erfolg [5]. Die „Raumpatrouille“ lief im US-Fernsehen nie.

Astronauten von Artemis 2

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Die Artemis 2-Crew: Christina Koch, Victor Glover, Jeremy Hansen, Reid Wiseman.

Körperpflege mit Frischetüchern

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Victor Glover bei der „Katzenwäsche“. Mit der Veröffentlichung war Glover übrigens einverstanden.

Eine Dusche gibt es beim echten Orion-Raumschiff nicht, man wischt sich mit Hygienetüchern ab, wie der muskulöse Astronaut Victor Glover halbnackt live vorführte. Aber immerhin gibt es ein Klosett – bei Apollo machten sie noch in Plastikbeutel, die vorher an den Hintern geklebt wurden. Der Beutel wurde sodann mit einem „Geruchsneutralisator“ [6] versehen und dann irgendwo verstaut. Drei Männer auf sechs Kubikmeter Luft machen in Plastikbeutel – man möchte es sich trotz Geruchsneutralisator nicht vorstellen. Zum Pinkeln trug Mann übrigens Windeln, auch im Raumanzug [7].

Das Artemis-Klo ist demgegenüber ein riesiger Fortschritt, aber es hatte von Anfang an seine Macken. Warum sollte es im All auch anders sein, als in einem beliebigen Drei-Sterne-Hotelzimmer am Mittelmeer. Das erinnert an Ingenieur Howard Wolowitz aus der Serie The Big Bang Theory, der eher weniger erfolgreich ein Weltraumklo konstruiert und erprobt [8]: Statt einzusaugen, wurde „ausgespuckt“. So schlimm kam es bei Orion zum Glück nicht. Im Zeichen der Gleichberechtigung war es die Astronautin Christina Koch, die sich um die Reparatur des Aborts verdient machte. Aber dann fror der Abfluss ins All zu. Die Toilette war auch nicht geruchsdicht. Für Artemis 3 wird es daher Änderungen am Design geben [9].

Schon einige Tage vor der Mondumrundung meldeten einige Medien, dass sich mit Artemis 2 Menschen so weit von der Erde entfernen würden wie nie zuvor – obwohl das noch gar nicht klar war. Die Mission brauchte Rekorde! Bisher war es die Besatzung des Katastrophenflugs Apollo 13, die nach der Explosion des Sauerstofftanks („Houston, wir haben ein Problem“) eine elliptische Sonderumkreisung des Mondes machte, die sie weiter von der Erde entfernte als alle Apollo-Missionen davor und danach. Am 6. April gab die NASA dann bekannt, dass der Rekord um 20 Uhr MEZ beim „distant retrograde orbit apogee“ gebrochen werde: er liegt jetzt bei 252.760 Meilen (= 406.777,8 km), vorher waren es 248.655 Meilen (= 400.171,4 km). Wenigstens EIN echter Rekord.

Rückseite des Mondes

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Die Mondrückseite sieht aus wie ein anderer Himmelskörper.

Krater Caroll

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Krater Caroll, nach Wisemans verstorbener Ehefrau.

Es gab eine planmäßige 40-minütige Funkstille, als Orion von der Erde aus hinter dem Mond verschwand. Die Länge dieser Funkstille soll nach einige Medien auch ein Rekord gewesen sein – doch diese Art des „Timeouts“ und die Länge von etwa 40 Minuten kennen wir schon seit Apollo 8. Viele zeigten sich schwer beeindruckt vom „Hintern“ des Mondes, dabei ist dieser eine reine Kraterlandschaft und nicht so spannend wie die uns zugewandte Vorderseite. Spannender ist wohl der Umstand, dass die Erde während der Umkreisung einige Zeit völlig verschwindet und es ein GPS, kein Audio oder Video – kurz keinerlei Kontakt zur „Heimatwelt“ mehr gibt. Die Astronauten stritten sich um die Fenster und machten viele Fotos, in der Hoffnung, dass der menschliche Blickwinkel Bilder hervorbringt, die kein Orbiter liefern kann. Denn der Satellit Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) hat den Mond aus 50 bis 100 Kilometern seit 2009 schon detailliert kartiert. Selbst die Landeplätze von Apollo 11 und 12 sowie 14 bis 17 wurden hochauflösend dokumentiert – Verschwörungsfreunde halten selbst von diesen Beweisen nichts [11].

In guter Tradition der Apollo-Missionen durfte die Crew einen kleinen Krater benennen, wenn auch nicht offiziell. Das darf nur die IAU (International Astronomical Union). Die Artemis‑2‑Crew benannte ihn nach der 2020 verstorbenen Ehefrau des Missionskommandanten Reid Wiseman „Caroll“. Er liegt nordwestlich von Glushko, auf gleicher Breite wie der Krater Ohm in einem auffällig hellen Gebiet (≈ 18.8° N, 86.5° W) und hat einen Durchmesser von etwa 2,7 Kilometern [12].

Nutella im All

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Nutellaglas schwebt durch die Raumkapsel.

Panne mit Starship 8

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Elon Musk vor Starship 8 bzw. dem, was übrig ist.

Dann war da noch das Nutella-Glas, das fotogen an der Kamera vorüberschwebte. In den Sozialen Medien wurde Fakte vermutet oder Product Placement (Schleichwerbung). Tatsächlich dürfen die Astronauten in gewissem Maße persönliche Nahrung mitnehmen, wenn sie nicht gefährlich ist. Nutella ist in den USA nicht nur süßer und hat weniger Kakao und Nuss, es wird auch in PET-Kunststoffbehältern ausgeliefert. Für eine vollwertige Ernährung ist es wohl weniger gut, aber gefährlichen Glasbruch gibt es nicht. Dass es im All nun gerade Nutella zum Frühstück gibt, ist trotzdem verwunderlich. Die Herstellerfirma Ferrero wird sich freuen. Christina Koch soll keinen Werbevertrag abgeschlossen haben, sowas ist den Astronauten verboten.

Ansonsten hat Artemis 2 nicht viel mehr zu bieten als die Wiederholung einer Städtereise ohne Aufenthalt. Apollo lenkte schön von den Gräueln des Vietnamkrieges ab. Artemis schafft das Gleiche im Hinblick auf den Irankrieg nicht so richtig, da wäre wohl ein Marsflug nötig gewesen. Eine Landevorrichtung ist nicht mal dabei. Diese wurde noch nicht entwickelt (!), obwohl die Mondlandung mit Artemis 4 bis 2030 stattfinden soll. Wenn man fies wäre, könnte man sagen: alles Fake.

Schuld ist der „Visionär“ Elon Musk, an dessen Starship wohl noch Jahre „geschraubt“ werden muss [13]. Die letzten Testflüge zeigten immer neue Probleme. Der Flug vom 27. Mai 2025 offenbarte Lecks im Treibstoffsystem, ein unkontrolliertes Rollen und ein nicht funktionierendes Nutzlast-Tor. Wiederholte Fehlstarts, technische Probleme und laufende FAA‑Untersuchungen lassen erwarten, dass die Entwicklung noch Jahre dauern könnte.

Gedacht war das Starship als Kern einer Mondstation (Artemis Base Camp): Bis zu 100 Tonnen Fracht für Habitate, mehrere Rover (Lunar Terrain Vehicle – LTV), Bohrgeräte, Labore und Infrastruktur sollte es befördern. Die Mondstation soll in der Region um den Shackleton‑Krater am Südpol des Mondes entstehen. Man vermutet dort Wasser und hat fast den gesamten Mondtag lang Sonnenlicht für die Solarzellen.

Apollo hatte die Mondfähre und später den Rover stets im Gepäck dabei, Artemis soll das Starship mit seiner Fracht aber in der Mondumlaufbahn vorfinden. Mit einer Falcon Heavy soll vorher eine kleine Mondstation (Lunar Gateway) 2027 oder 2028 in den Mondorbit befördert werden, eine Art Umsteigebahnhof. Dort soll Artemis 4 dann ankoppeln, zwei der Astronauten sollen dort ins Starship umsteigen und mit diesem auf dem Mond landen. Gateway und Musk-Lander müssten also vorher erfolgreich zum Mond in eine Warte-Umlaufbahn geschossen werden. Die Artemis-Missionen bestehen danach immer aus mindestens drei Teilen mit je einem Raketenstart. Im Prinzip wäre das Starship geeignet, einen Shuttle-Betrieb in den Mondorbit zu machen, aber mit einer einfachen Landung und einem einfachen Start wäre man bei Artemis 4 schon zufrieden.

Mit Artemis 3 sollen die Systeme 2027 zunächst in der Erdumlaufbahn erprobt werden: Funktioniert das Ankoppeln, lässt sich Starship erfolgreich „on the fly“ auftanken? Dazu müssten flüssiger Sauerstoff (LOX) und flüssiges Methan (CH₄) im All übertragen werden, was noch keiner gemacht hat. Bei Artemis 2 stieß man ja schon bei der Übertragung von Urin ins All auf Probleme.

Da Musk zwar passend zum Ego eine große Klappe hat, aber Fristen selten einhält, kam als „Plan B“ Jeff Bezos ins Spiel. Dessen Blue Origin Blue Moon (MK2) käme auch als Lander in Betracht, sofern die vereinfachte Variante bis zum Termin fertigwürde. Das ist auch fraglich. Er ist immerhin etwa doppelt so groß wie der „alte“ Apollo-Lander, wenn auch nur ein Drittel so groß wie Musks Starship. Was passieren wird, steht noch in den Sternen.

Die NASA hat eigentlich nichts falsch gemacht. Aber am Ende gewinnt womöglich doch China die neue Jagd zum Mond, weil die Milliardäre der Privatwirtschaft in den USA eher illusionär bzw. unrealistisch sind als visionär.


17 Aufrufe – LDS: 10.04.2026


Fußnoten

[1]  Artemis ist die griechische Göttin der Jagd, des Waldes, der Tiere und des Mondes – wikipedia.org: Artemis

[2]  rev.com: Artemis II Crew Q & A. The Artemis II crew speaks with Donald Trump and takes questions. 

[3]  nasa.gov: Apollo to Artemis

[4]  Die Kultserie in schwarz-weiß wurde 1968 im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Das Set des Kommandostandes hatte einen Durchmesser von 28 Metern – wikipedia.org: Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion

[5]  startrekfactscheck.blogspot.com: The Truth About Star Trek and the Ratings

[6]  Der Geruchsneutralisator war in kleinen Packungen enthalten, die man aufbrechen und mit dem Inhalt der Fäkalienbeutel verkneten musste. Auch wenn die NASA es nicht veröffentlicht hat, sprechen die Anforderungen stark für Quaternäre Ammoniumverbindungen (damals Standard in US‑Militär- und NASA‑Desinfektionskits) oder Phenolische Desinfektionsmittel (ebenfalls weit verbreitet in den 1960ern). Beide wirken stark keimtötend, gasbildungshemmend, bleiben relativ stabil bei Lagerung und sind kompatibel mit Kunststoffbeuteln – ntrs.nasa.gov: Waste Management System

[7]  ebda. 

[8]  youtube.com: The Big Bang Theory – 222 – Howards Space Toilet Meatloaf Experiment

[9]   yahoo.com: There was a bit of toilet trouble on NASA’s Artemis 2 mission to the moon

[11]  wikipedia.org: Lunar Reconnaissance Orbiter

[12]  wikipedia.org: Carroll (crater)

[13]  thespacereview.com: Starship setbacks and strategies


Beitragsbild: Reid Wiseman/NASA via via Wikimedia Commons, 10.04.2026. Bearb. v. Mirke (Ausschnitt). Das Foto zeigt die Erde, oben rechts sind grünlich Polarlichter zu sehen. Die zarte Atmosphäre umhüllt den Planeten nur dünn.

Art.1   NASA / Harrison H. Schmitt, Public Domain, via Wikimedia Commons, 10.04.2026. Bearb. v. Mirke (Ausschnitt).  

Art.2    NASA via Wikimedia Commons, 10.04.2026.  

Art.3   Josh Valcarcel, Public Domain, via Wikimedia Commons, 10.04.2026. Bearb. v. Mirke (Ausschnitt).  

Art.4    Artemis 2: Astronaut Victor Glover duscht aus Versehen live! (0:13 min) via Youtube, 10.04.2026. Bearb. v. Mirke (Ausschnitt).  

Art.5    NASA, Public Domain, via Wikimedia Commons, 10.04.2026.  

Art.6    NASA via Wikimedia Commons, 10.04.2026.  

Art.7    Nutella on Artemis II – The Product Placement of the Year 2026 (0:05 min) via Youtube, 10.04.2025. Bearb. v. Mirke (Ausschnitt).  

Art.8   Steve Jurvetson from Los Altos, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, 10.04.2026.  

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